Nonkonformistische Intellektuelle             Denken im Widerspruch

May 3rd, 2014 by et2c

Vortrag und Diskussion mit Susanne Martin

09.05.2014 | 20 Uhr | Hörsaal H2 | Schlossplatz 46

Am Beispiel von Theodor W. Adorno, Jean Améry und Günther Anders wird im Vortrag eine spezifische Form von nonkonformistischer Intellektualität diskutiert. Sie kann als Denken im Widerspruch charakterisiert werden: als radikale Kritik der Aufklärung einerseits, als Engagement für deren emanzipatorische Versprechen andererseits.

Nonkonformistische Intellektualität, wie sie die genannten Autoren repräsentierten, muss aber angesichts veränderter gesellschaftlicher Bedingungen historisiert werden. Die Referentin unternimmt daher abschließend den Versuch einer Aktualisierung unter der Prämisse, dass nonkonformistische Intellektualität als befreiungsorientierte Gesellschaftskritik gegenwärtig zwar schwieriger geworden, aber unvermindert notwendig ist.

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Von „Problemhäusern“ und „Klaukids“ Antiziganismus in Duisburg

April 16th, 2014 by et2c

Infoveranstaltung mit einem Referenten der IgDZ

23.04.2014 | 19:30 Uhr | Baracke | Münster

Seit nunmehr fast zwei Jahren breitet sich in Duisburg mehr und mehr eine antiziganistische Stimmung – bis hin zu Übergriffen – aus. In der Presse bestimmen Schlagzeilen über “Problemhäuser” und “Klaukids” sowie Panikmache vor vermeintlichen “Zuwandererströmen” das Bild. Dadurch fühlen sich Rassist*innen aller Couleuer ermutigt, ihrem Hass in sozialen Netzwerken freien Lauf zu lassen. Auf der Straße formieren sich sogenannte “Bürgerproteste” die in’s gleiche Horn stoßen. Auch an den Urnen der letzten Wahl hat sich diese Stimmung deutlich wiedergespiegelt. Dabei kommen die Stichwortgeber antiziganistischer und rassistischer Hetze nicht aus der radikalen Rechten, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. Von Polizeisprechern bis hin zum Oberbürgermeister bricht sich ein xenophober Furor Bahn.
 

Bei der Veranstaltung wird es darum gehen, die hinter diesen Ereignissen stehenden Ressentiments aufzuzeigen und mögliche Reaktionen zu diskutieren. Des Weiteren soll über eine antifaschistische Demonstration am 30.04. in Duisburg informiert werden, die sich gegen den Antiziganismus und Rassismus vor Ort richtet. 

 

Die Initiative gegen Duisburger Zustände (IgDZ) ist ein ideologiekritisches Bündnis mehrerer Gruppen und Einzelpersonen aus der Region. Ihr Ziel ist es, den grassierenden Antiziganismus in Duisburg zu enttarnen und in die Defensive zu stellen.

»Duisburg, mon Amour«?!

March 29th, 2014 by et2c

Gegen die rassistischen und antiziganistischen Zustände!

 
[ Demonstration | 30.04.2014 | 18 Uhr | Duisburg Hbf ]
 

DMAWallraff, Schimanski, Sauerland. “Und nun die Zuwanderung von Ausgegrenzten aus Bulgarien und Rumänien” wehklagt es in einem aktuellen Artikel in der ZEIT.¹ Die Autorin setzt all dem ein lapidares “Na und!” entgegen und fordert bedingungslose Liebe zu dem Ort mit dem “goldenen Herz” – “Duisburg, mon Amour”.
 

Doch das Bild von der Stadt der solidarischen Kumpel, die zwar hässlich ist, in der es aber wenigstens kollegial zugeht, stinkt zum Himmel. Denn bereits im September 2012, nachdem die ersten Roma nach Duisburg-Rheinhausen gezogen waren, brachen sich fremdenfeindliche Stimmungen im Viertel bahn. 300 Anwohner*innen forderten in einem offenen Brief die “Umsiedlung” der Neu-Duisburger*innen, denn diese ließen sich “aufgrund ihrer Mentalität und Lebensart” nicht integrieren.² Die Lokalredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) berichtete darüber wohlwollend und unterstützte das Anliegen der ‘alteingesessenen’ Bevölkerung. Gut ein Jahr später titelte dieselbe Zeitung: “Stadt Duisburg will erste Familien aus Bergheimer Problemhaus umsiedeln”.³ Gemeinsam mit dem Vermieter, dem Kontakte zum Rotlicht- und Rockermilieu nachgesagt werden, wurden mittlerweile fast alle Familien aus dem Gebäudekomplex “In den Peschen” vertrieben. Ein “Erfolg”, der nur durch das gemeinsame Wirken von Polizei, Lokalpolitik und den Bürger*innen vor Ort erreicht werden konnte. Dazwischen lag eine monatelange Zuspitzung xenophober Hetze an allen drei Fronten. Während in sozialen Netzwerken mit brachialer Rhetorik zu Mord und Totschlag aufgerufen wurde, berichteten lokale Zeitungen beinahe täglich über vermeintliche Müllberge und sogenannte “Klaukids” im “Problemhaus”. Weiter angestachelt wurden sie dabei vom Polizeisprecher Ramon van der Maat, der im August 2013 in der TAZ forderte: „Die anderen (die nicht-integrationswilligen, adR) kommen mit unserer Gesellschaft nicht klar. Die müssen weg.“

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never again

November 4th, 2013 by et2c

Am kommenden Samstag, dem 09.11.2013, jährt sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal. In Münster spricht aus diesem Anlass Dr. Raphael Gross während einer Gedenkstunde in der Synagoge am Freitag um 11 Uhr zum Thema “November 1938 – Das Ende der deutsch-jüdischen Epoche”.

Das Bündnis “Erinnern heißt handeln!” ruft zu einer antirassistischen Demonstration in Duisburg auf, nachdem “Pro NRW” angekündigt hatte, in Rheinhausen und Neumühl Kundgebungen durchführen zu wollen. Bereits Anfang letzten Monats ließen in diesen Stadteilen deutsche Anwohner*innen ihrem Antiziganismus zusammen mit Neonazis bei ähnlichen Kundgebungen freien Lauf. Des Weiteren werden in Essen und Friedland Antifaschist*innen gegen Veranstaltungen der NPD aktiv.

Wie im letzten Jahr erfolgt an dieser Stelle zudem ein Hinweis auf den Aufruf zur Gedenkdemonstration in Berlin-Moabit:

Vom 7. bis zum 13. November 1938 wurden in Deutschland und Österreich allerorts Synagogen angezündet, jüdische Friedhöfe zerstört, jüdische Geschäfte und Wohnungen überfallen, demoliert und geplündert. Deutsche Antisemit*innen demütigten, schlugen, vergewaltigten und ermordeten Jüdinnen und Juden. Etwa 30.000 Männer wurden verhaftet und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt.
Die Pogrome stellten eine weitere, entscheidende Radikalisierung der antisemitischen Politik des NS-Regimes dar. Bis dahin hatten die Nazis jüdische Mitbürger*innen Schritt für Schritt aus der Gesellschaft ausgegrenzt: mit Berufsverboten, Ausschluss aus den Universitäten, später mit den „Nürnberger Rassegesetzen“ oder der „Arisierung“ jüdischer Unternehmen. Diese Gewalt steigerte sich in der Folgezeit und gipfelte in dem Versuch, alle Jüdinnen und Juden in Europa gezielt und umfassend zu ermorden. Bis 1945 ermordeten die Deutschen sechs Millionen Jüdinnen und Juden.

» Kein Vergessen! Kein Vergeben!

Neunundneunzig Prozent falsche Analysen.   Eine Zwischenbilanz zur Occupy-Bewegung

October 28th, 2013 by et2c

Vortrag und Diskussion mit Peter Bierl

12.11.2013 | 20 Uhr | Club Courage | Münster

Die Occupy-Bewegung sowie die Indignados in Spanien weckten 2011 große Hoffnungen auf eine neue Welle des Protests und Widerstands. Sie betonten den Anspruch auf eine direkte Demokratie und all jene Dinge, die Menschen zum Leben brauchen, statt den Kapitalismus regulieren zu wollen. Sie griffen in Alltagskämpfe um Wohnraum, Bildung und medizinische Versorgung, für die Rechte von Geflüchteten und Gewerkschaftern ein. Allerdings pflegt Occupy wie viele Linke und Globalisierungskritiker*innen einen regressiven Antikapitalismus. Zentral ist die falsche Vorstellung eines Gegensatzes zwischen Finanzkapital und „Realwirtschaft“, dass gierige Bankerinnen und skrupellose Börsianer für die Übel der Welt verantwortlich wären. Diese Sicht wird auch von den bürgerlichen Medien gepflegt und solche Vorstellungen sind nach rechts anschlussfähig.

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Auch und gerade in Münster:                                No Tears for Krauts!

October 10th, 2013 by et2c

Fyler zum “Gedenkkonzert” im St.-Paulus-Dom [PDF]

Am 10.10.1943 fand der erste Luftangriff bei Tageslicht auf Münster statt. Heute, 70 Jahre später, lädt der Philharmonische Chor unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters und mit der Unterstützung zahlreicher prominenter Institutionen und Unternehmen dazu ein, diesem Ereignis zu gedenken.

Bei einem Blick in das Werbematerial und auf die Presseverlautbarungen im Vorfeld fällt schnell auf, dass sich die Form des Gedenkens einreiht in einen nationalen Vergangenheitsdiskurs, der sich ausschweigt über den Kontext der alliierten Luftangriffe und in dessen Zentrum ein kollektives Betrauern deutscher “Zivilpersonen” steht. Prominent tritt in Münster das Klagen über die Zerstörung der Innenstadt und das Lob der Wiederaufbauleistung der MünsteranerInnen hinzu.

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Gegen die Duisburger Zustände!

August 26th, 2013 by et2c

Für den kommenden Freitag (30.08.2013) ruft die Initiative gegen Duisburger Zustände um 14 Uhr zu einer Kundgebung vor dem dortigen Polizeipräsidium auf. Grund sind die skandalösen Ereignisse am Ende der letzten Woche, die Teil eines zutiefst antiziganistischen Klimas im gesamten Stadtgebiet sind.

 

Aufruf:
Schluss mit der antiziganistischen Stimmungsmache!
Gegen das zynische Vorgehen der Polizei!

Am vergangenen Freitag kam es zu einem traurigen Höhepunkt im Umgang der Duisburger Polizei mit den Bewohner_innen der Häuser In den Peschen 3-5. Vorgeblich auf der Suche nach mutmaßlichen Beteiligten einer Auseinandersetzung, die sich bei einer Bürgerversammlung zwei Kilometer entfernt ereignet haben soll, stürmten Einsatzkräfte der Polizei in Kampfanzügen und mit Unterstützung von Polizeihunden am späten Abend das vornehmlich von Roma bewohnte Haus In den Peschen 5.

Dabei traten die vor Ort eingesetzten Polizeieinheiten – offenbar wahllos – Wohnungstüren ein und sprühten mit CS-Gas um sich. Vermeintlich an der vorherigen Auseinandersetzung zwischen Neonazis und Antifaschist_innen Beteiligte fanden sie dort zwar nicht, wohl aber ein völlig verängstigtes 13-jähriges Kind, das in Panik zu einem Holzstock griff, und daraufhin von mehreren Polizist_innen überwältigt und in Handschellen abgeführt wurde. Die hochschwangere Mutter des Kindes, die in ihrer Angst vor dem Überfall auf den Balkon geflüchtet war, wurde von den anwesenden Beamt_innen beschimpft und eingeschüchtert. Bei der Frau setzten Frühwehen ein und sie erlitt einen Schock. Den von Zeug_innen alarmierten Rettungskräften wurde nur mit polizeilicher Begleitung der Zugang zu ihrer Patientin gewährt.

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Veranstaltungshinweis

May 13th, 2013 by et2c

Der Ende letzten Jahres gegründete AK Kritische Theorie widmet sich ab nächster Woche mit der Veranstaltungsreihe “Engagement / Désengagement” der Bestimmung und Kritik der Begriffe Kunst, Freiheit und Gesellschaft bei Adorno und Sartre.
Im Rhythmus von zwei Wochen finden jeweils dienstags Vorträge mit Marc Kleine, Gerhard Scheit, Manfred Dahlmann und Friedrich Weber-Steinhaus statt. Die Reihe wird abgeschlossen von einem Tagesseminar mit Chris Thein am 20. Juli. Alle Veranstaltungen finden im Club Courage statt.

Wir wünschen dem AKKT mit der Veranstaltungsreihe viel Erfolg und freuen uns auf die Vorträge und das Seminar.

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Antiziganistische Zustände                                     Zur Aktualität eines Ressentiments in Deutschland und Europa

February 12th, 2013 by et2c

Vorstellung des Sammelbandes “Antiziganistische Zustände 2*
mit Andreas Koob und Tobias von Borcke

26.02.2013 | 20 Uhr | Club Courage | Münster

In den letzten Jahren haben sich Medien, Wissenschaft und Politik vermehrt mit dem Thema Antiziganismus beschäftigt. Die Auseinandersetzung bleibt jedoch häufig oberflächlich und ist nicht selten durch stereotype Wahrnehmungen geprägt. Gerade Letzteres führt immer wieder dazu, dass die Verantwortung für die in vielen Fällen äußerst schwierige Lage der von Antiziganismus betroffenen Menschen bei diesen selbst gesucht wird, statt bei der Mehrheitsgesellschaft, von der Diskriminierung und Verfolgung ausgehen.

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never again

November 4th, 2012 by et2c

Am 09.11.2012, dem 74. Jahrestag der Reichspogromnacht, rufen Antifaschist*innen zu einer Gedenkdemonstration in Mettmann auf. Wie schon im letzten Jahr gilt es außerdem in Essen Aktivitäten gegen eine Kundgebung von Neonazis zu unterstützen. In Wolgast hat die NPD einen “Fackelmarsch” (!) auf eine “Flüchtlingsunterkunft” durchgeklagt, ein antifaschistisches Bündnis wird dagegen mit Blockaden vorgehen.

An dieser Stelle ist des Weiteren auf den Aufruf der ANA und der EAG zur Demonstration in Berlin-Moabit hingewiesen:

Die Gewalt der Novemberpogrome vom 7.-13. November 1938 fand am 9. November ihren vorläufigen Höhepunkt. Überall in Deutschland und Österreich brannten die Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden überfallen, demoliert und geplündert. Jüdinnen_Juden wurden von deutschen Antisemit_innen gedemütigt und geschlagen, vergewaltigt und ermordet. […] Das Novemberpogrom war keine Tat einzelner, überzeugter Nationalsozialist_innen, von denen die sogenannte normale Bevölkerung zu unterscheiden wäre. […] Ab dem 9. November 1938 bis zum Tag der Befreiung lebte die deutsche Volksgemeinschaft ihren antisemitischen Hass aus. Gemeinsam wurde ausgegrenzt, entrechtet, verwüstet, geplündert, angezündet, gedemütigt, gefoltert und ermordet. Es gab keine schuldlosen Bürger_innen, auch wer nur zugesehen hat und sich nicht gegen das NS-System gewandt hat, hat sich damit als Teil des deutschen Mordkollektivs schuldig gemacht. […]
Als sich 1989 die Deutschen wieder zu einem einzigen Volk machten, wurde das eigene Nationalgefühl modernisiert und transformiert. Dieser neue deutsche Nationalstolz entlud sich nicht zuletzt auch in den zahlreichen rassistischen Ausschreitungen gegen Asylsuchende und Migrant_innen in seiner Entstehungsphase in den 1990er Jahren. Spätestens seit Rot-Grün ist die Shoah nicht länger eine Schuld, die man verdrängt, sondern man ist stolz auf die kläglichen Entschädigungszahlungen, die externalisierende Vergangenheitsbewältigung und die Aufklärung von Verbrechen, die 60 Jahre zu spät erfolgte. Die Deutschen imaginieren sich als Kämpfer_innen gegen Antisemitismus und Rassismus im In- und Ausland und sehen dabei konsequent über eben diesen Antisemitismus und Rassismus in den eigenen Reihen hinweg. […]
Die fortwährende Deligitimierung der Sicherheitsinteressen des jüdischen Staates auf ideologischer Ebene wie die faktische Untergrabung seines Existenzrechts auf realpolitischer Ebene führen mehr als deutlich vor Augen: Wer sich mit dem Schutzraum von antisemitisch Verfolgten solidarisch zeigen will, kann auf Deutschland nicht zählen. Der Kampf für eine Welt ohne Antisemitismus, ist stets auch der Kampf um die Überwindung der deutschen Verhältnisse.

» 74 Jahre nach dem Pogrom